Venenerkrankungen dürfen nicht verharmlost werden

Feb 28th, 2015 | By | Category: Gesundheit & Ernährung, Leitartikel
Krampfadern verhindern den Rückfluss des venösen Blutes. Foto: rob 3000/fotolia

Krampfadern verhindern den Rückfluss des venösen Blutes. Foto: rob 3000/fotolia

Dr. med. Gerd Ritter, der in Hennef seine Praxis betreibt,  gilt als Experte auf dem Gebiet der Venenerkrankungen. Viele Menschen haben Krampfadern. Sie bereiten ihnen mehr oder weniger Beschwerden. Unseren Blog möchte ich dazu nutzen, an dieser Stelle ein Interwiev mit Dr. Ritter zu diesem Thema zu veröffentlichen.

Fitness-Lohmar: Was versteht man unter Krampfadern?

Dr. Ritter: Krampfadern entwickeln sich aus den Venen. Die Venen transportieren das sauerstoffarme Blut zum Herzen. Da das Blut aus den Beinen entgegen der Schwerkraft zurückfließen muss, sind unsere Venen im Abstand von einigen Zentimetern mit Venenklappen ausgestattet. Auf diese Weise wird ein Zurückfließen des Blutes verhindert. Durch die sogenannte Muskelpumpe der Wadenmuskulatur, die die Venen beim Gehen zusammendrückt, kommt es zur Entleerung der Venen. Erweitern sich die Venen oder funktionieren die Venenklappen nicht mehr richtig, entstehen Krampfadern.  Betroffen davon  können oberflächliche oder auch tiefergelegene Venen sein.

F-L: Warum entstehen eigentlich Krampfadern?

Dr. Ritter: Dabei kommen viele Mosaiksteinchen zum tragen. Erblich bedingte Bindegewebs- und Venenwandschwäche, hormonelle Einflüsse in der Schwangerschaft, Übergewicht, viel Stehen können sich negativ auswirken. Krampfadern entwickeln sich schleichend. Auch jüngere Menschen können, wenn einige vorher genannte Faktoren zutreffen, Krampfadern bekommen.

F-L: Kann man einer Krampfaderentstehung vorbeugen?

Dr. med Gerd Ritter

Dr. med Gerd Ritter

Dr. Ritter: Nein! Man kann nur deren Ausbildung verlangsamen beziehungsweise der Ausprägung abschwächen. Das geschieht durch sinnvolle Ernährung, normales Gewicht und ausreichend Bewegung.

F-L.: Sind Krampfadern schmerzhaft?

Dr. Ritter: Betroffene empfinden Krampfadern sehr unterschiedlich. Sie bereiten keine oder nur geringe Beschwerden.Können aber auch zu schweren und müden Beinen führen; besonders bei hohen Umgebungstemparaturen, bei langem Stehen oder Sitzen.

F-L.: Wann ist ein Arztbesuch dringend anzuraten?

Dr. Ritter: Wenn veränderte Venen Beschwerden bereiten. Krampfadern bergen aber auch immer eine Gefahrenquelle in sich. DaKrampfadern sich auch entzünden können, sind nicht nur ein kosmetisches Problem. Es können Bein-Venenthrombosen entstehen. Aber auch bei Operationen aber auch bei langer Immobilisierung können Krampfadern die Thrombosegefahr erhöhen. Menschen mit Krampfadern tragen ein erhöhtes Risiko, so zum Beispiel auch bei Langstreckenflügen.

F-L.: Wann besteht die Gefahr, dass sich durch Krampfadern Unterschenkelgeschwüre bilden?

Dr. Ritter: Unterschenkelgeschwüre können viele Ursachen haben. Wir sprechen hier von venösen Unterschenkelgeschwüren. Die Gefahr daran zu erkranken, besteht zum Beispiel bei ausgeprägten langjährigen Krampfaderleiden. Als Zustand nach einer Erkrankung der tiefen Beinvenen, zum Beispiel nach einer tiefen Beckenvenenthrombose. Ausschlaggebend für die Bildung von Geschwüren ist die Schwere der venösen Veränderung, die Anahl der betroffenen Venen, die Dauer der Erkrankung und schließlich auch das Alter der Patienten. Geschwüre heilen oft sehr schwer ab.

F-L.: Welche Therapiemethoden gibt es?

Dr. Ritter: Je nach Befund rät der Arzt zur Kompression, Sklerosierung oder zur Operation. Bei der Kompression werden Kompressionsstrümpfe getragen oder mit Bandagen die Beine gewickelt. Hierbei ist die körperliche Bewegung sehr wichtig.  Denn mit Hilfe der Muskelpumpe wird das venöse Blut zum Herzen zuücktransportiert. Eine Verödung (Sklerosierung), wobei ambulant Verödungsmittel in die Venen gespritzt werden, eignen sich nur bei Seitenastkrampfadern oder bei Besenreiserkrampfadern. Ebenso bei dicken Krampfadern, die nicht operiert werden können, bei Restvarikositäten nach Operationen oder bei Unterschenkelgeschwüren, wobei die Nährkrampfadern weggespritzt werden. Eine Operation hingegen ist immer dann angeraten, wenn die Stammvenen betroffen sind.

F-L.: Können durch Krampfadern Wadenkrämpfe entstehen?

Die Natur genießen. Nordic-Walking hilft auch bei Venenerkrankungen

Die Natur genießen. Nordic-Walking hilft auch bei Venenerkrankungen

Dr. Ritter: Eigentlich nicht. Diese Annahme beruht auf einer falschen Interpretation des altdeutschen Wortes „Krumpader„, das lediglich eine geschlängelde Vene bezeichnete und mit dem wort „Krampf“ nichts zu tun hat.

F-L.: Sollte man, wenn man Krampfadern hat, auf Saunabesuche verzichten?

Dr. Ritter: Nein! Die Sauna stellt ein hervorragendes Gefäßtraining dar. Aber alles in Maßen. Nicht zu lange in der Sauna verweilen, nicht unbedingt die oberen Bänke belegen, auf ausreichende Abkühlung und entsprechende Ruhepausen achten.

F-L.: Helfen Medikmente?

Dr. Ritter: Sie können die Beschwerden lindern. Rosskastanienextrakte oder Mäusendornpräparate wirken entzündungs- und ödemhemmend.

F-L: Wenn Krampfadern keine Schmerzen oder ein unangenehmes Druckgefühl verursachen, werden auch dann die Kosten einer Behandlung von den Krankenkassen übernommen?

Dr. Ritter: Ja auf jeden Fall! Denn unbehandelte stark ausgeprägte Krampfadern stellen immer ein Gesundheitsrisiko dar. Der Verlauf der Erkrankung ist auf jeden Fall forschreitend!

F-L: Herr Dr. Ritter, wir danken Ihnen für dieses Gespäch!

 

 

 

 

 

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