Hat der BMI als „Fett-Messgröße“ ausgedient?

Jul 25th, 2010 | By | Category: Gesundheit & Ernährung, Leitartikel

Neben der Messung des prozentualen Körperfett-Anteils mit Hilfe eines Kallipers oder einer Fettmesswaage war und ist die Berechnung des Body-Mass-Index (BMI) das häufigste Verfahren, um Aussagen über Körperkonstitution und damit verbundenen Gesundheitsrisiken zu treffen. Jetzt wird die Aussagekraft des BMI jedoch in Frage gestellt.

Der Body-Mass-Index setzt rechnerisch die Körpergröße ins Verhältnis zum Körpergewicht und stellte bislang einen zuverlässigen Gesundheitsindikator dar. Die Berechnung ist einfach und die Interpretation des Ergebnisses ebenso.

BMI berechnet das Verhältnis zwischen Größe und GewichtZur Ermittlung des BMI teilt man einfach das Gewicht durch die Größe (in Metern) zum Quadrat (BMI = kg / m x m). Liegt das Ergebnis zwischen 20 und 25, ist die Körperkonstitution gesundheitlich unbedenklich. Über 25 bedeutet übergewichtig und über 30 adipös. Allerdings verschiebt sich die Grenze mit zunehmenden Alter ein wenig nach oben. Ein Senior mit einem BMI von 26 oder 27 kann als normal angesehen werden. Tatsache ist, dass ein Großteil unserer Bevölkerung über 25 liegt – auch in jüngeren Jahren.

Anhand der Kritik durch eine Studie des Klinikums der Universität München wird nun aber die Aussagekraft des BMI in Frage gestellt: Er sage nichts über die Fettverteilung im Körper aus, wobei diese Information ausschlaggebend für die Beurteilung des gesundheitlichen Risikos ist. Dagegen hilft laut Studienleiter Dr. Harald Schneider der BMI nicht bei der Bemessung des Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisikos.

Außerdem verleitet der BMI bei Sportlern zu Fehlinterpretationen. Ein Muskelbepackter Bodybuilder liegt fast in jedem Fall über dem „normalen“ oder „gesunden“ BMI-Wert – hat aber nur Muskeln und kaum Fett und ist daher nicht übergewichtet und nicht gefährdet eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden. Ausdauersportler wie schlanke Läufer oder Radfahrer liegen dagegen häufig unter dem Wert.

Im Rahmen der Studie wurden mehr als 11.000 Personen im Zeitverlauf von 8 Jahren unter die Lupe genommen. Im Ergebnis ist für die Gesundheit das Verhältnis von Taillenumfang zur Körpergröße entscheidend. Man spricht bei diesem Index von „Waist to Height Ratio“, also WHtR.

Hintergrund ist, dass Fett im Bauchbereich schädliche Fettsäuren und Botenstoffe in den Körper abgeben kann, die Entzündungen fördern. Dagegen ist Fett an den Oberschenkeln oder am Po nicht so problematisch. Man spricht dabei auch von Apfel- und Birnenform. Je höher der WHtR liegt, desto größer ist auch das Risiko.

Berechnet wird der WHtR, indem man den Bauchumfang durch die Körpergröße teilt. Grob gesprochen ist ein Ergebnis kleiner 0,5 gut und ein solches größer 0,5 schlecht. Eine WHtR-Rechner gibt es hier.

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One Comment to “Hat der BMI als „Fett-Messgröße“ ausgedient?”

  1. […] das? Jul 27th, 2010 | By Steffen | Category: Fitness & Gesundheit, Leitartikel In meinem letzten Beitrag hatte ich darüber geschrieben, dass der BMI zur Bewertung des Körperbaus und des damit […]

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