Gezieltes Krafttraining für Kinder durchaus sinnvoll – Neueste Forschungsergebnisse wiederlegen Lehrmeinungen

Mai 8th, 2010 | By | Category: Fitness, Training & Freizeit, Leitartikel

Boxen und Kraft für Kinder

Schon vor der Pubertät profitieren Jungen und Mädchen von regelmäßigem Krafttraining. Dies ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie, die die Universität des Saarlandes der Öffentlichkeit vorstellte. Die Sportwissenschaftler Michael Fröhlich (Universität des Saarlandes), Jürgen Gießing (Universität Koblenz-Landau) und Andreas Strack (Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, Saarbrücken) sowie fünf Koautoren der Universität des Saarlandes und drei weitere Experten präsentieren die Ergebnisse in dem neuen Buch „Kraft und Krafttraining bei Kindern und Jugendlichen“.

Bisher wurde angenommen, dass ein Krafttraining vor der Pubertät die weichen Knorpel und Knochen der Kinder, insbesondere die  Wachstumsfugen schädigen würde. Auch sei die  Produktion von Androgenen (Geschlechtshormonen) in den Körpern der Jungen und Mädchen zu gering um Muskeln nachweislich wachsen zu lassen. Bisherige Lehr- und Trainingspläne vertreten diese Auffassung.

Doch nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen führt ein zielgerichtetes sinnvoll gestaltetes Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht, mit Gummibändern aber auch freien Hanteln und Maschinen zu beachtlichen Erfolgen. “ Krafttraining mit Kindern steigert deren allgemeine Fitness führt zu besseren Leistungen im Sport und beugt Verletzungen vor“, so Dr. Michael Fröhlich vom Sportwissenschaftlichen Institut der Universität des Saarlandes. Und noch ein weiterer Punkt scheint wichtig.  Nach Aussage des Sportwissenschaftlers könne das Training, da es das Körperbild positiv verändere, das psychische Wohlbefinden beeinflussen und sei sogar dafür geeignet Angstzustände und Depressionen zu verrringern.

Ziel eines Krafttraining mit Kindern darf nie, wie bei den Bodybuildern, ein Höchstmaß an Muskelmasse sein, das in der Praxis durch das Stemmen möglichst hoher Lasten erreicht wird. Hierbei steht die Leistungsfähigkeit der Muskulatur im Vordergrund.  Ohne Training liegt ein Teil regelrecht brach, ist sozusagen verkümmert. Durch regelmäßiges Üben werden alle Teile des Muskels aktiviert. Das Training verbessert zuerst die Koordination innerhalb des Muskels sowie das Zusammenspiel von Muskeln und Nerven. Man spricht von intra- und intermuskulären Anpassungs-effekten, die ohne Zunahme des Muskelumfangs zu einem Kraftzuwachs führen.

Die aktuellen Studien berichten von Kraftzuwächsen von bis zu 40 Prozent bei Kindern im Alter von fünf bis zwölf Jahren, die zwei Monate lang ein Krafttraining absolviert haben. Danach legen auch Kinder an Muskelmasse zu. Denn nach zwei Monaten Training steigt selbst bei jungen Sportlern vor der Pubertät die Konzentration des Hormons Testosteron an,  das für das Muskelwachstum wichtig ist.

Die Experten legen allerdings Wert darauf, dass das Krafttraining nur Teil eines abgerundeten Fitness-Programms ist. Ausdauer, Beweglichkeit und Schnelligkeit dürfen nicht vernachlässigt werden. Außerdem ist ein übersteigerter Ehrgeiz fehl am Platz. Es geht nicht darum, wie viel Gewicht die Kinder bewegen. Vielmehr sollten zunächst die Übungen mit leichten Gewichten häufig wiederholt werden, bis die Kinder eine saubere Trainingstechnik beherrschen. Dann ist eine vorsichtige Steigerung des Gewichts zwar möglich, die maximale Leistungsgrenze sollte jedoch wegen des Verletzungsrisikos für Knochen und Wirbelsäule nie ausgereizt werden. Spaß und Sicherheit gehen vor – Trainingsphilosophien aus dem Erwachsenensport, vor allem wenn es um maximalen Kraftzuwachs geht, haben beim Kindertraining nichts zu suchen.

Bei der Frage, wann ein Kind mit einem ergänzenden Krafttraining beginnen kann, sollte die Antwort heißen: Wenn es in der Lage ist, an organisierten sportlichen Aktivitäten teilzunehmen, zum Beispiel einem Kinder-Fußball-Training oder in einer Turngruppe, ist es auch alt genug für ein kindgerechtes Krafttraining. Die Kinder  müssen Anweisungen verstehen, akzeptieren und befolgen können. Das heißt im Klartext: Zum Krafttraining gehört ein gewisses Maß an Disziplin.

Welche Effekte sind vom Muskeltraining zu erwarten? Neben dem Kraftzuwachs verbessern sich die sportlichen Leistungen zum Beispiel beim Springen und Sprinten. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass durch eine Kräftigung der Sehnen, Bänder und Knochen das Risiko einer Sportverletzung abnimmt. Nebensächlich ist nach Meinung der Experten eine Zunahme des Muskelvolumens, die zwar auch bei Kindern vor der Pubertät durch Krafttraining erreicht werden kann, aber erst durch die hormonelle Umstellung in der Pubertät wirklich relevant wird.

Übrigens diese Auffassung vertritt auch das American College of Sports Medicine, kurz ACSM.  Die führende Vereinigung amerikanischer Sportmediziner bewertet in einer offiziellen Erklärung das Krafttraining für Kinder als sicher und effektiv.

Bild: © Julián Rovagnati | Dreamstime.com

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2 Comments to “Gezieltes Krafttraining für Kinder durchaus sinnvoll – Neueste Forschungsergebnisse wiederlegen Lehrmeinungen”

  1. 39. Vielen Dank für den Kommentar. Ich wusste, ich habe ein zartes Gemüt.

  2. Steffen sagt:

    @Tomas ???

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