Krampfadern rechtzeitig behandeln lassen

Mrz 6th, 2010 | By | Category: Gesundheit & Ernährung

Dr. med. Gerd Ritter (Facharzt für Gefäßleiden in Hennef) nimmt Stellung

Rolf: Herr Dr. Ritter, Sie gelten als Experte auf dem Gebiet der Venenerkrankungen. Viele Menschen haben Krampfadern, die ihnen mehr oder weniger Beschwerden bereiten. Was sind eigentlich Krampfadern und wie entstehen sie?

Dr. Ritter: Krampfadern entwickeln sich aus den Venen. Die Venen transportieren das sauerstoffarme Blut zum Herzen. Da das Blut aus den Beinen entgegen der Schwerkraft zurückfließen muss, sind unsere Venen im Abstand von einigen Zentimetern mit Venenklappen ausgestattet. Auf diese Weise wird ein Zurückfließen des Blutes verhindert . Durch die sogenannte Muskelpumpe der Wadenmuskulatur, die die Venen zum Beispiel beim Gehen zusammendrückt, kommt es zur Entleerung der Venen.   Erweitern sich die Venen oder funktionieren die Venenklappen nicht mehr richtig, entstehen Krampfadern. Dabei kann es sich um oberflächliche oder tiefer gelegene Venen handeln.

Was sind eigentlich deren Ursachen?

Da kommen viele Mosaiksteinchen zum Tragen. Erblich bedingte Bindegewebs- und Venenwand-schwächen, hormonelle Einflüsse in der Schwangerschaft, Übergewicht, viel Stehen können sich negativ auswirken.   Krampfadern entwickeln sich schleichend. Auch jüngere Leute können, wenn einige der vorher genannten Faktoren zutreffen, Krampfadern bekommen.

Kann man einer Krampfaderentstehung vorbeugen?

Nein! Man kann nur deren Ausbildung verlangsamen bzw. deren Ausprägung abschwächen. Das geschieht durch sinnvolle Ernährung, normales Gewicht und ausreichende Bewegung.

Sind Krampfadern schmerzhaft?

Betroffene empfinden Krampfadern sehr unterschiedlich. Einigen bereiten sie keine oder nur geringe Beschwerden, andere wiederum klagen über schwere und müde Beine zum Beispiel bei hohen Umgebungstemperaturen, vielem oder langem Stehen und Sitzen gegebenenfalls periodenabhängig.

Wann ist ein Arztbesuch dringend anzuraten?

Wenn veränderte Venen Beschwerden bereiten. Krampfadern bergen aber auch immer eine Gefah-renquelle in sich. Krampfadern sind nicht nur ein kosmetisches Problem. Sie können sich auch entzünden. Es können Beinvenenthrombosen entstehen. Aber auch bei  Operationen oder langer Immobilisierung können Krampfadern   die Thrombosegefahr erhöhen. Menschen mit Krampfadern tragen ein erhöhtes Risiko, so zum Beispiel auch bei Langstreckenflügen. Über dieses Problem wurde ja ausführlich  in den Medien berichtet.

Wann besteht die Gefahr, dass sich durch  Krampfadern Unterschenkelgeschwüre entwickeln?

Unterschenkelgeschwüre können ja bekanntlich viele Ursachen haben. Wir sprechen hier von venösen Unterschenkelgeschwüren. Die Gefahr daran zu erkranken besteht zum Beispiel bei ausgeprägtem langjährigen Krampfaderleiden. Als Zustand nach Erkrankung von tiefen Beinvenen zum Beispiel nach einer tiefen Beckenvenentrombose  Ausschlaggebend für die  Bildung von Geschwüren ist  die Schwere der  venösen Veränderung, die Anzahl der betroffenen Venen, die Dauer der Erkrankung und  schließlich auch das Alter des Patienten. Geschwüre heilen häufig sehr schlecht ab.

Welche Therapiemethoden gibt es?

Je nach Befund rät der Arzt zur Kompression, Sklerosierung oder zur Operation. Bei der Kompression werden Kompressionsstrümpfe getragen oder mit Bandagen die Beine gewickelt.  Hierbei ist die körperliche Bewegung sehr wichtig. Denn mit Hilfe der Muskelpumpe wird das Blut nach oben transportiert. Eine Verödung (Sklerosierung), wobei ambulant Verödungsmittel in die Venen gespritzt werden, eignet sich nur bei Seitenastkrampfadern oder für Besenreiserkrampfadern. Ebenso bei dicken Krampfadern, die nicht operiert werden können, bei Restvarikositäten nach Operationen oder bei Unterschenkelgeschwüren,  wobei die Nährkrampfadern weggespritzt werden. Eine Operation ist immer dann angeraten, wenn die Stammvenen betroffen sind.

Können durch Krampfadern Wadenkrämpfe entstehen?

Eigentlich nicht. Diese Annahme beruht auf eine falsche Interpretation des althochdeutschen Wortes “Krumpader”, das lediglich eine geschlängelte Vene bezeichnete und mit “Krampf” nichts zu tun hat.

Kann ich mit Ausdauersport einer Krampfaderbildung vorbeugen?

Nein, Krampfadern bilden sich aus vorher genannten Gründen. Dynamische Belastung hilft aber, Beschwerden zu lindern und den Verlauf der Venenveränderung zu verlangsamen und sie weniger deutlich in Erscheinung treten zu lassen. Bewegung sorgt dafür, dass das Blut  besser abtransportiert wird. Wer Krampfadern hat, sollte aber bei Sportarten, die hohe Dynamik und Explosivkraft erfordern, wie zum Beispiel Volleyball Tennis, Squash etc., vorsichtig sein und das Training nicht übertreiben. Auch eine falsche Atemtechnik beim Kraftsport kann  schaden.

Sollte man, wenn man Krampfadern hat, auf Saunabesuche verzichten?

Nein. Die Sauna stellt ein hervorragendes  Gefäßtraining dar. Aber alles in Maßen. Nicht zu lange in der Sauna verweilen, nicht unbedingt die oberen Bänke belegen, auf ausreichende Abkühlung achten.

Können Solarien Krampfadern verursachen?

Nein.

Helfen Medikamente?

Zum Beispiel Rosskastanien oder Mäusedornpräparate  lindern häufig die Beschwerden. Sie wirken entzündungs- und ödemhemmend.

Wenn Krampfadern keine Schmerzen oder ein unangenehmes Druckgefühl verursachen, ist dann die Krampfaderbeseitigung eine Schönheitsoperation, die von der Krankenkasse nicht bezahlt wird?

Nein. Denn unbehandelte stark ausgeprägte Krampfadern stellen immer ein Gesundheitsrisiko dar. Denn der Verlauf der Erkrankung ist auf jeden Fall fortschreitend.

Vielen Dank für das Gespräch!

Tags: , , , , , ,

2 Comments to “Krampfadern rechtzeitig behandeln lassen”

  1. […] können auch eine Muskelüberbelastung, Durchblutungsstörungen – bspw. durch Krampfadern, Nervenwurzel-Probleme an der Bandscheibe oder eine Magen-Darm-Erkrankung der Grund für […]

  2. Renate Werner sagt:

    Guten Tag, Herr Dr. Ritter – mit Interesse habe ich Ihre recht detaillierten
    Ausführungen zu meinen – aber auch generell zu Krampfadern gelesen. Danke.

    Wie meinem letzten Besuch angesprochen, würde ich Ihnen aber auch gerne
    einige Details zu einem Medikament schicken – das man mir empfohlen hat –
    ich aber Ihre Einstellung dazu zuvor erfahren möchte. Das ist mir wichtig !

    Bitte lassen Sie mich Ihre Mail-Adresse wissen, die ich nirgendwo finden konnte.

    Mit freundlichem Gruß Renate & Udo E. Werner

Hinterlasse einen Kommentar!